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Abbaye de Rougemont, Kanada

Aus der Welt der Zisterzienser

Ein Beitrag von Sr. M. Christiane Hansen

1932 gründete der Abt von Lérins André Drilhon das Kloster Rougemont in Quebec (Kanada), indem er drei französische Mönche dorthin schickte. Die Gemeinschaft wuchs allmählich heran und bald wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Heute zählt die Gemeinschaft  11 Mönche mit einem Durchschnittsalter von 57 Jahren .

Wir haben mit Abt Raphaël Bouchard gesprochen.



Was hat den Abt von Lérins dazu bewegt, ein Kloster in Quebec zu gründen?
Es war damals der Wunsch des Abtes ein Kloster in Vietnam zu gründen. Da er dafür Mönche brauchte, wollte er zuerst ein Kloster in einem Land gründen, wo man meinte, leicht und schnell Nachwuchs gewinnen zu können, damit man dann später diesen nach Vietnam zu einer Neugründung schicken könnte.

Ist Quebec besonders reich an Nachwuchs?
Damals war Quebec sehr katholisch und im gewissen Sinne war die Hoffnung auf Nachwuchs berechtigt. Inzwischen hat die Atmosphäre in Kanada sich verändert: Das Französische wird zunehmend an den Rand gedrängt und Quebec ist lange nicht mehr so katholisch wie es war. In Quebec gibt es heute mehr Bischöfe als Priesteramtskandidaten.


Sind Sie also eingetreten, um missioranisch zu wirken in Vietnam?
Nein! Als ich eingetreten bin, hatte sich die Gründerintention längst wieder verloren, außerdem kam der Konvent nie über 15 Mitglieder hinaus. Im Kloster lebte man ein ganz traditionelles Zisterzienserleben und das war auch das, was ich hier suchte.

Wovon lebt das Kloster heute?
Wir haben eine riesige Obstplantage (160 ha) vorwiegend mit verschiedenen Apfelsorten. Es ist eine sehr angenehme Arbeit, etwa drei Mo­nate im Jahr sind wir mit der Ernte beschäftigt und können gut davon leben.

Haben Sie Angestellte?
Ja, vier, eine Frau organisiert die Obsternte, eine hilft mit beim Putzen des Gästehauses, eine arbeitet mit in der Verwaltung und in der Küche haben wir einen Koch.

Worin sieht das Kloster seine besondere Aufgabe?
Wir führen ein "spirituelles Sanatorium". Zum einen haben wir ein Gästehaus, wo man min. zwei Tage und max. eine Woche verbringen kann. Viele nützen dieses Angebot, um zur Ruhe zu kommen. Jeden Montag wird das Gästehaus zugemacht, damit die Mönche einen ruhigen Tag haben, an dem es nur zweimal gemeinsames Gebet gibt: Messe und Ves­per. Außerdem kommen viele Ordensleute zu uns, um einige Zeit mit uns zu verbringen, sowohl Ordensmänner, als auch -frauen. Sie sind in unserer Gemeinschaft voll integriert und machen alles gemeinsam mit den Mönchen: Sie beten mit im Chor, essen mit im Refektorium und arbeiten mit in der Obstplantage. Das hilft ihnen, spirituell zu regenerieren. Wir sind nicht sehr weit weg von Montreal, es kommen auch viele Studenten zu uns, um das Wochenende im Kloster zu verbringen. Für Jugendliche, die sich spirituell vertiefen möchten, bieten wir unsere "Chambre Haute" an, eine Wohnung im obersten Stock, wo die Ju­gend­li­chen schlafen, beten und lesen können. Die Mönche stehen auch für geistliche Gespräche zur Verfügung.


Gemessen an der jetzigen Größe der Gebäude ist der Konvent eher klein. Sind die Gebäude zu groß oder der Konvent zu klein?
Die jetzigen Gebäude wurde in den 60iger Jahren gebaut. In Quebec hatte man nicht viel Ahnung vom klösterlichen Baustil, man dachte an die großen Häuser der Schul- und Krankenhausschwestern. So sind wir nun dabei, das Haus unseren Bedürfnissen anzupassen, beispielsweise ist unsere Küche 70 Meter lang – 10 Meter wären aber ausreichend. Unsere Konventgröße entspricht unserer Vorstellung von einem zönobitischen Leben, wir wollen miteinander familiär leben in dem Sinne, dass wir gemeinsam diesen klösterlichen Weg gehen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, überall Zisterziensermotive aus dem Mittelalter an die Türen des Klosters zu kleben?
Es ist ein Versuch, dem Kloster klösterlicher zu machen. Wir haben gedacht, vielleicht würde diese Art der Dekoration uns helfen, uns der zisterziensischen Tradition näher zu fühlen. Wir haben ausgemacht, dass wir nach zwei Jahren entscheiden, ob wir diese Dekoration behalten möchten und wenn ja, werden wir eine schönere Ausfertigung bewerkstelligen.

Und wie haben sie bis jetzt gewirkt?
Gut, wir sind sehr zufrieden!

Fühlen Sie sich isoliert in Rougemont angesichts der Tatsache, dass die anderen Klöster der Kongregation der Unbefleckten Empfängnis in Frankreich und Vietnam sind?
Nein, wir haben gute Kontakte zu den Klöstern der Trappisten und Benediktiner hier in Kanada und in der Kongregation treffen wir uns regelmäßig. Wenn wir alle aus demselben Land kämen, würde die Kongregation an Vielfalt und Reichtum verlieren.

 

Dieser Artikel erschien reich bebildert im Heft 2/2014, das Sie hier bestellen können.